übles Nest hatta jesagt

Na da werden sich aber einige Menschen aufregen, ich habe Eberswalde ein “übles Nest” genannt und das ND macht gleich eine Überschrift draus. Die Potsdamer Neuesten Nachrichten sind korrekt und titeln “Daheim in Eberswalde”. Nun denn, ich habe gesagt “Eberswalde war bis zur Jahrtausendwende ein übles Nest”. Warum? Weil die Nazi offen agieren konnten, und der Widerspruch gering war, jedenfalls war er nicht kraftvoll genug eine Szene in die Schranken zu weisen, die immer wieder gewalttätig wurde.

Mal ein Beispiel: 1999 wohnte ich einer Wiederaufnahme eines Prozesses bei. Die K.-Brüder hatten sich abwechselnd selbst belastet und deshalb war nicht klar, wer was getan hatte. Es ging um folgendes Verbrechen. Aus einer Gaststätte in der Eberswalder Innenstadt kommend, hatten die beiden zwei Frauen ausgemacht, die ihnen als zugehörig zu zwei Schwarzen bekannt waren. Die beiden Männer, große bullige Schränke, beschimpften die Frauen deshalb und griffen sie an. Eine der Frauen wurde mit einem Spaten skalpiert und verlor durch einen weiteren Schlag viele Zähne. Die weitere Frau, hochschwanger, wurde zu Boden geworfen und gewürgt.

Jetzt komme ich zu den “üblen Typen”. Während des Prozesses waren etwa 10 Männer als Zeugen geladen. Alle gaben vor, nichts gesehen zu haben und von nichts zu wissen, obwohl sie sich im direkten Umfeld des Vorfalles aufgehalten hatten. Ganz “normale” Leute. Sie zeigten kein Bedauern oder äußerten auch nur irgendeine Bekundung des Mitgefühls in Richtung der anwesenden Frauen.

Ein Jahr später brannte der Afrikanische Kulturverein Palanca ab, angesteckt von zwei jungen Männern aus Eberswalde. Im gleich Jahr wurde Falko Lüdtke von einem Nazi umgebracht, 100 Meter neben der Stelle, an der Amadeu Antonio ermordet wurde. Während einer Demonstration gegen die Nazigewalt wurden wir von Autofahrern beschimpft, weil der Verkehr eingeschränkt wäre.

Ich kann gern weiter erzählen ….Die Solidarität nach dem Brand war hoch. 15 Jahre hat es gedauert, bis Falko als Opfer rechtsextremer Gewalt anerkannt wurde. Es gibt ein Amadeu Antonio Haus aber keine Amadeu Antonio Straße.

9. Oktober – Empfang für Neubürgerinnen und Neubürger der Stadt Eberswalde im Bürgerbildungszentrum Amadeu Antonio

Am 9. Oktober findet der diesjährige Empfang für die Neubürgerinnen und Neubürger in der Zeit von 15.00 – 18.00 Uhr im Bürgerbildungszentrum Amadeu Antonio statt.

Über 1500 Einladungen wurden von der Stadt Eberswalde verschickt. Etwa ein Drittel davon gingen an Flüchtlinge.

Verbunden ist der Empfang mit einem Tag der offenen Tür, bei dem sich die Akteure im Haus und weitere Gäste vorstellen.Es gibt eine Führung vom Hochbauamtsleiter Bert Bessel kommentiert von einer Putzfrau. In der Bibliothek spielt Fabrizio Furci auf der Gitarre und immer irgendwo im Haus wird ein Hang (Berndeutsch für Hand) gestreichelt und getippt.

Das Bürgerbildungszentrum Amadeu Antonio eröffnete im August vergangenen Jahres und ist in kurzer Zeit zu einem Ort der Begegnung und des Austausches geworden.

Hier ist auch das Büro der Freiwilligenagentur der Bürgerstiftung Barnim Uckermark. Ein Schwerpunkt von Katja Schmidt und Thomas Mboya Ochieng ist die Vermittlung und Begleitung von Unterstützer_innen von Flüchtlingen. Thomas Mboya Ochieng übt zudem einen aktivierenden Part aus. Flüchtlinge finden in ihm einen Ansprechpartner, dem sie vertrauen und der sich kompetent auf ihre Bedürfnisse einlässt.

An diesem Tag dabei: die Kreismusikschule, der Zoo, die Kita “Haus der kleinen Forscher” mit Bastelständen und einem Labor

Weitere Termine im BBZ Amadeu Antonio:

Montag, 5. Oktober, 11.00 Uhr – Pressekonferenz zur Veranstaltungsreihe TOHUWABOHU

Mittwoch, 14. Oktober, 19.00 Uhr – Performance “Guter Flüchtling – Schlechter Flüchtling” mit Hamze Bytyci in der Bibliothek

Dienstag, 2. November – Arbeitskreis der Kulturverwaltungen im Land Brandenburg, Thema: “Willkommenskultur in Brandenburg”

Donnerstag, 12. November, 19.30 Uhr – Alle Nähe fern, musikalische Buchlesung mit André Herzberg zugunsten der Arbeit von Amcha e.V. in der Bibliothek

Freitag, 20. November, 19.30 Uhr – Rassismus wahrnehmen, benennen und zu seiner Überwindung beitragen. Impulsreferat und Aussprache von und mit Austen P. Brandt, Vorsitzender von Phoenix e.V.

Freitag, 4. Dezember, 18.00 Uhr - Verleihung des Amadeu-Antonio-Preises für kreatives Engagement für Menschenrechte, gegen Rassismus und Diskriminierung

Sonntag, 6. Dezember, 15.00 Uhr – Gedenken am 25. Todestag von Amadeu Antonio - “Wir sind hier, Bruder Amadeu”, Ort: Gedenktafel an der Eberswalder Str. 26

Donnerstag, 10. Dezember, 19.30 Uhr (Tag der Menschenrechte) – “Mein Weg vom Kongo nach Europa” Zwischen Widerstand, Flucht und Exil, Autorenlesung und Gespäch mit Emmanuel Mbolela in der Bibliothek

24. Todestag von Amadeu Antonio, einem Opfer rassistischer Gewalt

In der Nacht vom 24. zum 25. November wurde der Angolaner Amadeu Antonio in Eberswalde von einem rassistischen Mob brutal zusammengeschlagen. Er starb 11 Tage später an den schweren Verletzungen.

Heute wird mit einer kleinen Aktion der antifaschistischen initiative eberswalde auf dem Marktplatz an Amadeu Antonio erinnert.

Am 6. Dezember besteht von 10.00 – 14.00 Uhr die Möglichkeit an der Widmungstafel im Eingangsbereich des Bürgerbildungszentrums (BBZ) Amadeu Antonio Kerzen aufzustellen und Blumen abzulegen.

Der Afrikanische Kulturverein Palanca e.V. und die Barnimer Kampagne Light me Amadeu laden am gleichen Tag zum Gedenken am Ort des Verbrechens ein.  Um 15.00 Uhr wird in der Eberswalder Straße 26 an der Gedenktafel neben dem Vorsitzenden des Afrikanischen Kulturvereins Palanca e.V. Jone Munjunga auch der Bürgermeister Friedhelm Boginski das Wort ergreifen. (Link zum Interview mit Jone Munjunga zum Mord an Amadeu Antonio und seinem damit verbundenen persönlichen Schicksal)

Am 7. Dezember geben dann der Singer/Songwriter, Vocalist & Live-Looper JoKaa, die Schauspielerin, Sängering und Autorin Lara Sophie Milagro, der Dichter und Spoken Word Performer Philipp Khabo Köpsell und Temye Tesfu, Spoken Word Poet und Lyriker, ein Konzert im Saal des Bürgerbildungszentrum Amadeu Antonio.

Es geht um Rassismus, Postkolonialismus, unsere Gesellschaft und afrodeutsche Identitäten.

Schon am 27. November zeigt das Jugendbündnis F.E.T.E. (Für Ein Tolerantes Eberswalde) um 19.00 Uhr den Film “Can’t be silent – on Tour with the Refugees” im Saal des BBZ Amadeu Antonio.

Ein Haus, benannt nach einem Opfer rassistischer Gewalt in Eberswalde / Deutschland

Am 9. August 2014 eröffnet das Bürgerbildungszentrum Amadeu Antonio in Eberswalde.
Der Schwarze Vertragsarbeiter Amadeu Antonio wurde 1990 in Eberswalde Opfer rassistischer Gewalt.
Nach einem langen Diskussionsprozess, wie Amadeu Antonio gedacht werden kann, entschieden sich die Eberswalder_innen und ihre Stadtverordnetenversammlung dafür, das neue Bürgerbildungszentrum mitten in der Stadt nach ihm zu benennen.
Von 15.00 – 16.00 Uhr werden wir uns in der neuen Bibliothek künstlerisch dem Namensgeber des Hauses annähern. Lara Sophie Milagro (Schauspielerin und Autorin), Phillip Kahbo Köppsel (Spoken Word Künstler, Aktivist und Autor) und JoKaa (Musiker) gestalten eine Lesung mit poetischen Texten und Musik, die sich mit der Person Amadeu Antonio im Kontext persönlicher Erinnerungen aus der Wendezeit und damaliger politischer Ereignisse beschäftigt.
Lara Sophie Milagro war schon einige Male in Eberswalde. Gemeinsam mit dem Ensemble Label Noir führte sie  “Heimat, bittersüße Heimat” im Paul-Wunderlich-Haus (Verwaltungszentrum des Landkreises Barnim) und vor Schüler_innen des Gymnasiums Finow auf. Im Stück geht es um das Leben als Afro-Deutsche/r.
Wer schon vorher (oder dann nachher) etwas von Phillip Kahbo Köpsel lesen möchte, dem seien diese beiden Bücher empfohlen:
Die Akte James Knopf  ist eine poetische Verhandlung afrodeutscher kultureller Identität. Wurden Schwarze Deutsche in den 80er Jahren noch als Exoten und Ausländer im eigenen Land angesehen, so sind sie im neuen Jahrtausend Deutsche mit Fußnote des Migrationshintergrunds. In einem Land, welches sich lange Zeit als homogen-weiß und christlich verstand, müssen “abweichende” Identitäten ständig neu und radikal verhandelt werden. Die Akte James Knopf ist Verhandlung und Abrechnung zugleich.
Afro Shop ist eine Sammlung lyrischer und grafischer Werke junger afrodeutscher Kunst- und Literaturschaffender. Die Beiträge entstanden ohne inhaltliche Vorgabe. Dennoch zeichnen sich klare Themenfelder ab: Die Texte und Bilder zeigen Verhandlungen von Identität, Heimat, Rassismus-Erfahrungen und den individuellen Umgang mit ihnen; die Liebe und das Leben, die kleinen und großen Revolutionen im Alltag.
  • Um 16.00 Uhr wird die Widmungstafel für Amadeu Antonio im Eingangsbereich des Bürgerbildungszentrums der Öffentlichkeit übergeben.
  • 16:15 – 16:45 Uhr wiederum in der Bibliothek: “Amadeu Antonio – damals und heute in Eberswalde”, ein Gespräch mit Menschen vom Afrikanischen Kulturverein Palanca e.V., der Barnimer Kampagne “Light me Amadeu” und der Initiative F.E.T.E. (Für ein tolerantes Eberswalde).
Die Lesung mit poetischen Texten und Musik aus Anlass der Eröffnung des Bürgerbildungszentrums Amadeu Antonio mit Lara Sophie Milagro, Phillip Kahbo Köppsel und JoKaa wird von der Koordinierungssstelle Tolerantes Brandenburg im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg gefördert.

Widmung im Bürgerbildungszentrum erinnert an Amadeu Antonio und bekennt sich

Am 9. August eröffnet das Bürgerbildungszentrum Amadeu Antonio.

Eine Widmung im Eingangsbereich wird an Amadeu Antonio und den rassistischen Mord an ihn erinnern. Sie ist gleichzeitig ein Bekenntnis dafür, dass sich etwas ändern muss. Hier der vollständige Text, auf den sich heute Vertreter/innen des Afrikanischen Kulturvereins Palanca e.V., der Barnimer Kampagne Light me Amadeu und der Stadtverwaltung Eberswalde geeinigt haben:

Amadeu Antonio

Amadeu Antonio wurde am 12.08.1962 in Quimbele, Angola geboren. 1987 kam er als Vertragsarbeiter nach Eberswalde. Statt des erhofften Studium der Flugzeugtechnik erwartete ihn der Einsatz im Schlacht- und Verarbeitungskombinat Eberswalde (SVKE). Am 24.11.1990 wurde er zusammen mit mehreren Schwarzen Kollegen von einer großen Gruppe junger Erwachsener verfolgt, angegriffen und brutal misshandelt. Am 6.12.1990 erlag er seinen schweren Verletzungen.

Der Mord an Amadeu Antonio war einer der ersten aus rassistischen Motiven nach der deutschen Vereinigung. Es folgten in kurzer Zeit weitere Angriffe und Attentate in Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Solingen, Mölln und vielen anderen Städten in Ost- und Westdeutschland. Auch in Eberswalde wurden weiterhin Schwarze, ihre Partnerinnen und Kinder beleidigt, bedroht und verletzt.

Eberswalde nach dem Mord

Die Tat und ihre Umstände schockierten Menschen in Deutschland und im Ausland. Einige Eberswalderinnen und Eberswalder solidarisierten sich mit den Schwarzen. Gemeinsam wurde eine Gedenktafel am Ort des Verbrechens angebracht. Im Afrikanischen Kulturverein Palanca e.V. organisierten sich die ehemaligen Kollegen von Amadeu Antonio, ihre Familien und andere Schwarze und Weiße, um zur Überwindung von Rassismus beizutragen. Langsam wuchs eine zivilgesellschaftliche Bewegung mit Initiativen und Orten, die sich für den Schutz von Minderheiten und gegen Rassismus engagiert. Die Erinnerung an Amadeu Antonio ist Teil davon.

Bürgerbildungszentrum

2012 beschloss die Stadtverordnetenversammlung dieses Haus nach Amadeu Antonio zu benennen. Hier sind die Stadtbibliothek, die Kita “Haus der kleinen Forscher” und zahlreiche Bildungsinitiativen und soziale Vereine untergebracht.

Martin Luther King sagte 1963:

“Ich habe einen Traum. Dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einem Land leben, wo sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt werden.”

Wir wollen im Bürgerbildungszentrum Amadeu Antonio daran arbeiten, diese Vision wahr werden zu lassen.

Gedenken und Lesung am 23. Todestag von Amadeu Antonio, Freitag, 06.12.2013, 17.00 Uhr

Vergessen, griechisch: Amnesie, ist Nicht-Gedenken.
Erinnern als eine Stärkung im Kampf gegen diskriminierende Gewalt, ist wohl die beste Art, die zu ehren, die wegen Rassismus nicht mehr unter uns sind.
Gedenken und Lesung am 23. Todestag von Amadeu Antonio
Freitag, 06.12.2013, 17.00 Uhr
an der Gedenktafel, Eberswalder Str. 26, 16227 Eberswalde
Gegen das Vergessen – für eine lebenswerte Gegenwart und Zukunft aller Menschen.
Offener und alltäglicher Rassismus, seine Leugnung und Bagatellisierung verwirren und
verletzen weiterhin zahlreiche Menschen. Wir wollen die Aufgabe, das immer noch tödliche Phänomen Rassismus zu thematisieren und zu seiner Überwindung beizutragen,
nicht vergessen.
Nach dem Gedenken sind wir in die Räume des Afrikanischen Kulturvereins Palanca e.V., Coppistraße 1-3, 16227 Eberswalde eingeladen:
Begegnungen und Gespräche bei Essen und Trinken und um
18:30 Uhr: „Die Farbe meiner Haut. Die Anti-Diskriminierungs-Trainerin erzählt“,
Lesung mit ManuEla Ritz, musikalisch begleitet von dem Cellisten Sonny Thet.
Eintritt und Essen sind frei, Spenden willkommen.

51. Geburtstag von Amadeu Antonio am 12. August

Fast hätte ich den Geburtstag von Amadeu Antonio vergessen, den er nicht feiern kann. Amadeu Antonio wurde in Eberswalde von einem rassistischen Mob erschlagen, der Jagt auf Schwarze machte.

Erinnert wurde ich durch Berichte von poc (people of color) über rassistische Übergriffe. Schwarze wurden in Eberswalde im Bus beschimpft und der Schimpfende erhielt durch den benachrichtigten Busfahrer kein Hausverbot, weil dieser “öfter Probleme macht”. Schwarze wurden bedroht und es wurde versucht in ihre Wohnungen einzudringen. Tatverdächtige wurden von der Polizei nicht verfolgt, weil diese “ohne Verletzte nichts machen könnten”. Immer wieder berichten Schwarze davon, dass sie grundlos auf der Straße und im Bus angepöbelt und aggressiv angegrabscht wurden. Statt mit der Begrüßung “Guten Tag” wurden Schwarze oft mit dem Hiltlergruß empfangen.

Das passierte alles in diesem Jahr, alles seit April.

Vortrag von Prof. Eve Rosenhaft: „Eberswalde – Berlin – Douala – Paris: Maria Mandessi Bell und die Eberswalder Anfänge des globalen Black Consciousness“

Samstag, 25. Mai um 19.00 Uhr,

Ort: Gemeinde der Baptisten, Goethestraße 23 a, 16225 Eberswalde

1990  erschlugen Eberswalder den Angolaner Amadeu Antonio.  Fast ein Jahrhundert zuvor hatte in der Stadt eine Begegnung anderer Art zwischen Afrikanern und Deutschen stattgefunden, als die Baptisten die Ausbildung Jugendlicher aus Kamerun in Deutschland förderten und die Vertretung der Interessen der Kameruner gegenüber den deutschen Kolonialmächtigen unterstützten. 

In ihrem Vortrag erinnert Frau Prof. Eve Rosenhaft an diese geteilte Geschichte, vor allem an die Kameruner Frauen, die im Rahmen der baptistischen Missionsarbeit nach Deutschland kamen. Eine von diesen, Maria Mandessi Bell, spielte sowohl im Kampf gegen den Kolonialismus um 1914 als auch in der späteren Entwicklung der panafrikanischen Kulturbewegung eine Schlüsselrolle. Sie wurde im November 1895 in Douala, Kamerun geboren. Ihr Vater war David Mandessi Bell, der Adoptivsohn von „King Bell“ und Besitzer einer großen Kakao-Plantage.

Auf einem der ältesten Fotografien, die von der damals noch in der Eichwerder Straße befindlichen Eberswalder Baptistengemeinde existiert, ist diese junge Dame neben dem Prediger Ernst Wißtoff zu sehen. In Wolfsdorf/Ostpreußen wurde sie 1912 getauft, fand Aufnahme im Haushalt des Predigers und folgte im November den Wißtoffs nach Eberswalde, wo Ernst Wißtoff eine Predigerstelle antrat. Ihre Zeit hier soll eine glückliche Zeit gewesen sein. Ihre stärksten Erinnerungen waren mit Chorausflügen und einer Vielzahl von Liedern verbunden, die sie – über 90jährig – noch in perfektem Deutsch singen konnte. Am 1. April 1914 verließ Maria Mandessi Bell Eberswalde und schloss sich der junge Baptistengemeinde in der Schönhauser Allee im Norden von Berlin (Prenzlauer Berg) an. Nach Douala zurückgekehrt, versuchte sie, den Kontakt zu ihrem “lieben Onkel und ihrer lieben Tante” in Eberswalde aufrecht zu erhalten. Davon zeugen Briefe mit herzlichen Grüßen an Wißtoffs und andere Mitglieder der Eberswalder Gemeinde.

Auf dem Bild ist die Einführung des neuen Baptistenpastors Wißtoff mit seiner Familie im Jahr 1912  zu sehen. Die vierte Person von links ist die Maria Mandessi Bell.

Eve Rosenhaft ist Professorin für deutsche Geschichte an der University of Liverpool (GB).  Veröffentlichungen zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung sowie zur Geschlechtergeschichte und der Geschichte der Minderheiten, darunter zuletzt Africa in Europe. Studies in Transnational Practice in the Long Twentieth Century (Liverpool 2013) und Black Germany. The Making and Unmaking of a Diaspora Community 1884-1960 (Cambridge 2013, im Druck)

Weitere Informationen habe ich im Netz hier gefunden: Bonamanga. Eine kosmopolitische Familiengeschichte

Eberswalder Asylbewerberheim brennt vor 20 Jahren ab.

Die Geschichte des Eberswalder Asylbewerberheimes in der Spechthausener Straße 1 endete am 29. November 1992 um null Uhr fünf. In einem Polizeiprotokoll heißt es dazu knapp:
” Durch schwere Brandstiftung unbekannter Täter mittels ”
” Benzin brannte eine Baracke völlig nieder. Ein Wachmann ”
” erlitt eine Rauchvergiftung. Die Asylbewerber wurden nach ”
” Brodowin umquartiert. ”

Quelle: Der Spiegel 36 / 1994

Nacht für Nacht Bombenalarm! Wir wissen, ein falscher aber manchmal denken wir, was ist wenn es stimmt und dann gehen einige raus. Manche brachten immer nur das Gepäck nach draußen. Wie lange wird es noch dauern? Wann wird diese Folter aufhören? Wir beschäftigten uns mit solchen Gedanken und ahnten nicht, daß es unsere letzte Nacht war. Wir saßen zu mehreren in meinem Zimmer und unterhielten uns. als wir gegen Mitternacht einen Krach auf dem Flur hörten. Dann hörten wir >>Feuer, Feuer<<. Wir liefen auf den Korridor und sahen, daß es brannte. Wir brachten sofort alle Kinder und Greise raus. Manche wurden bewußtlos aber geschockt waren wir alle. Vor unseren Augen brannte das Heim lichterloh. Wir hörten immer wieder Schreie: Wo ist mein Kind? Wo ist meine Mutter? Manche weinten um Gepäck und Geld. Es war richtig katastrophal und chaotisch. Einerseits versuchten wir, die Bewußtlosen wieder zu Bewußtsein zu bringen, andererseits mußten wir jeden fragen, ob noch jemand im Heim sein könnte. Wir fragten die Bosse, wo die Feuerwehr geblieben ist. Ja, sie kam erst nach 45 Minuten, als von dem Heim nur noch die Hälfte übrig geblieben war.

In dieser Nacht kümmerten sich auch die deutschen Nachbarn sehr viel um uns. Einige luden Frauen und Kinder zu sich ein und wieder andere kümmerten sich um die Bewußtlosen oder trösteten uns. Alle Flüchtlinge guckten unter Tränen zu, wie ihre Bleibe abbrannte. Wir verfluchten alles nur noch. Einige waren ohne Schuhe oder nicht ganz angezogen rausgerannt aber es hatten alle überlebt und wir waren dafür dankbar.

Quelle: Mesut K., ..SIE WOLLTEN UNS JA NICHT WIE MENSCHEN BEHANDELN, in Rassismus in Deutschland – Das Beispiel Eberswalde, Seite 90, Herausgeberin: Antirassistische Initiative Berlin  e.V., 1994 (ganzer Artikel als Datei)