Eine Amadeu-Antonio-Straße ist notwendig, und man muss sich damit Zeit lassen.

Anlässlich des 16. Todestags von Amadeu Antonio versammelten sich am 06.12.2006  190 junge und ältere Menschen zu einem open space, um über Rassismus und seine Auswirkungen zu sprechen. Ein open space ist in der Lage alle Teilnehmenden zu Wort kommen zu lassen. Man kann Ideen austauschen, Vorschläge machen und diese gemeinsam entwickeln oder verwerfen. Ein open space ist ein großes Unternehmen und erfordert viel Aufwand. Wichtig finde ich, dass bei einem open space die unterschiedlichsten Leute zusammen kommen können und alle als Expertin oder Experte verstanden werden. Es besteht Vertrauen in den Prozess, das gemeinsame Anliegen und der Wille zur Kommunikation reichen aus, zu einem guten Ergebnis zu kommen, wenn nur Zeit genug da ist. Ein open space bringt die Menschen zusammen und stößt etwas an.

Ein Ergebnis des 6.12.2006 war die Barnimer Kampagne Light me Amadeu, die sich insbesondere für die Abschaffung von Gutscheinsystem und Residenzpflicht einsetzt/e. Das sind Regelungen, die Flüchtlinge ausgrenzen und stigmatisieren. Seit dem vergangenen Jahr erhalten Asylbewerberinnen und Asylbewerber im Landkreis Barnim zur Grundversorgung Bargeld. Das bedeutet für die Betroffenen weniger Einschränkungen und weniger scheele Blicke aus der Bevölkerung beim Einkauf.

Mit dem Vorschlag einen Teil der Eberswalder Straße in Amadeu-Antonio-Straße umzubenennen, hat die Barnimer Kampagne Light me Amadeu für eine öffentliche Diskussion in der Stadt Eberswalde gesorgt, die wichtig und richtig ist.

Die Diskutierenden äußerten viel Empathie für den Vorschlag der Straßenumbenennung oder brachten zudem eigene, nicht minder ernsthafte Vorschläge ein.

Aber es gab auch andere Reaktionen, die die Ablehnung der Amadeu-Antonio-Straße an das Bestreben eigenes rassistisches Denken und Handeln von sich zu weisen koppelten. Dabei offenbarten diese Rechtfertigungen oft eben gerade das rassistische Denken ihrer Absender/innen. Häufig wurde als Argument aber einfach nur angeführt, dass die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger dagegen wäre.

Ich finde, dass wir mit der Diskussion über eine Amadeu-Antonio-Straße noch nicht am Ende sind, ja dass wir damit geradezu erst am Anfang stehen. In einer solchen Diskussion müssen wir als Weiße über die eigene Machtposition und über die Diskriminierungspraxis und die Privilegien der weißen Mehrheitsgesellschaft zu sprechen kommen.

Das kann Bestandteil des von der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und der Fraktion Die Fraktionslosen vorgeschlagenen zu entwickelnden Antirassismuskonzepts und seiner einzelnen Maßnahmen sein.

Eine Entscheidung über eine Umbenennung eines Teils der Eberswalder Straße in Amadeu-Antonio-Straße kann sicher warten, oder sie muss es vielleicht sogar.