12. Todestag von Falko Lüdtke

Heute vor 12 Jahren wurde Falko in Eberswalde von einem Rechtsextremen vor ein Auto gestoßen und starb.

Ich kann mich noch etwas an Falko erinnern, viel hatten wir nicht miteinander zu tun. Ich habe ihm mal bei Aktenkram geholfen. Dafür kenne ich einige seiner Freunde ganz gut und weiß, dass sie heute Nachmittag an der Bushaltestelle in der Spechthausener Straße sitzen, an dem Ort, an dem das Verbrechen geschah.

Ja, es war von Falko leichtsinnig, einen bekannten Schläger auf seine Hakenkreuztätowierung anzusprechen. Hätte er die Schnauze gehalten, wäre er heute noch am Leben.

Schweigen macht vieles bequemer. Wer Nazis nicht hinnehmen will, bekommt Ärger mit denen, und wird nachher noch als “selbst schuld daran” abgestraft.

Na da machen wir, um Falko zu ehren, mal das Maul auf.

Mehr zu Falko hier.

Herzliche Einladung zur Informations- und Diskussionsveranstaltung auch zur Amadeu-Antonio-Straße, die von Initiatoren und Unterstützern des Umbennungsprojektes organisiert wird.

Die Veranstaltung wird am 29.05. um 18:00 Uhr im Freiraum Eberswalde, Eisenbahnstr. 92-93 (Medienhaus) unter den Titel “Amadeu Antonio – Eberswalder Zustände Gestern und Heute” stattfinden.

Bei dieser Veranstaltung geht es nicht nur um die Umbenennung an sich, sondern auch um alltagsrassitische Erfahrungen, die Betroffene immer wieder in Eberswalde machen und was es in Eberswalde leider noch bedeuten kann, eine andere Hautfarbe zu tragen.

Wir freuen uns auf eine spannende Diskussion.

Florian Görner
für den Afrikanischen Kulturverein Palanca e.V., die Barnimer Kampange Light Me Amadeu und das Jugendbündis F.E.T.E.

 

P.S.: Was vielleicht noch nicht alle wissen: Gegen die von uns seit April 2011 vorgeschlagene Umbenennung eines Teilstückes der Eberswalder Straße in Amadeu-Antonio-Straße hat Anfang April 2012 eine Bürgerinitiative hauptsächlich im Stadtteil Finow mobilisiert und nach eigenen Angaben binnen zwei Wochen 3500 Unterschriften gesammelt (im Original: “Mit meiner Unterschrift spreche ich mich aus verschiedensten Gründen ganz klar gegen die Umbenennung der Eberswalder Straße in Amadeu-Antonio-Straße aus, jedoch verurteile ich die Tat, welche das Anliegen begründet, zu tiefst.”). Das sorgte mit dafür, dass der Beschluss zur Straßenumbenennung in der Stadtverordnetenversammlung Ende April nicht abgestimmt, also die Entscheidung dazu weiter vermieden wurde.

Die Amadeu-Antonio-Straße ist damit nur noch ein eventuell mögliches Ergebnis eines längeren Prozesses, zu dem es mehrere Workshops zur Erinnerungskultur an Amadeu Antonio geben soll. Außerdem soll eine Arbeitsgruppe mit der Erarbeitung eines Antirassismuskonzepts für die Stadt beauftragt werden. Somit wird es am 50. Geburtstag von Amadeu Antonio am 12. August diesen Jahres zwar eine städtische Festveranstaltung geben, aber nicht in Verbindung mit der von uns initiierten Straßenumbenennung.

Position des Afrikanischen Kulturvereins Palanca e.V., der Barnimer Kampagne Light me Amadeu und des Jugendbündnisses F.E.T.E am 24.05.2012:

Wir bleiben trotz Einwänden und Gegenvorschlägen dabei, dass die Amadeu-Antonio-Straße das richtige Zeichen für ein selbstbewusst gegen Rassismus stehendes Eberswalde und eine würdige Ehrung für Amadeu Antonio und weitere Opfer rassistischer Gewalt wäre. Andere antirassistische Zeichen und die Würdigung anderer Gewaltopfer begrüßen wir, wenn diese nicht als Gegensatz zur oder als Ersatz für die Straßenumbenennung verstanden werden, sondern als Teil eines breiten Prozesses zur Überwindung von Rassismus und Gewalt.

Andere Gruppen und Personen laden wir ein, sich dieser Position anzuschließen.

Wer diese Position unterstützt, melde sich bitte bei: pazifissimo@googlemail.com oder direkt bei Palanca, Kampagne oder F.E.T.E.

Empfehlungen zum Änderungsbedarf der Mindestbedingungen für den Betrieb von Gemeinschaftsunterkünften und die soziale Betreuung und Beratung

So die Bezeichnung des aktuellen Berichs der Landesregierung zur Unterbringung und sozialen Betreuung von Flüchtlingen und Asylbewerberinnen und Asylbewerbern an den Landtag Brandenburgs von Beginn diesen Jahres.

Im März bei einem Fachgespräch schon einmal beraten, steht dieser am 30. Mai auf der Tagesordnung einer Sitzung des Ausschusses für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie.

Darin ist zu lesen:

Die Aufnahme und Unterbringung von ausländischen Flüchtlingen sind öffentliche Aufgaben, die den Landkreises und kreisfreien Städten als Pflichtaufgabe zur Erfüllung nach Weisung übertragen worden sind (§ 1 Absatz 1 Landesaufnahmegesetz LAufnG). Die Landkreise und kreisfreien Städte sind verpflichtet, die erforderlichen Einrichtungen der vorläufigen Unterbringung (Übergangswohnheime und Übergangswohnungen) zu errichten und zu erhalten sowie die Betreuung der untergebrachten Personen zu gewährleisten. Seite 5

Und weiter auf Seite 8: Die Unterbringung der Flüchtlinge erfolgt entsprechend den bundesrechtlichen Vorgaben vorwiegend in den Gemeinschaftsunterkünften. [...] Es gibt günstig gelegene und modern ausgestattete Heime, wie z.B. die Gemeinschaftsunterkunft (Gemeinschaftsunterkünfte) in Potsdam und Cottbus. Zwei Gemeinschaftsunterkünfte befinden sind außerhalb städtischer Ansiedlungen abseits einer Bebauung. Dabei handelt es sich um die Gemeinschaftsunterkünfte Hohenleipisch im Landkreis Elbe-Elster und Althüttendorf im Landkreis Barnim. Viele Landkreise bemühen sich um eine Verbesserung der Unterbringung der Flüchtlinge durch eine verstärkte Unterbringung in Wohnungen.

Als besonders problematisch wird die Unterbringung in abgelegenen Gemeinschaftsunterkünften eingeschätzt. Neben den damit verbundenen täglichen Schwierigkeiten der Teilhabe am kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Leben führt dies häufig zu Isolation und Ausgrenzung der dort Untergebrachten. Es besteht Einigkeit, dass die Lage der Gemeinschaftsunterkunft so beschaffen sein sollte, dass sie Begegnungen zwischen der örtlichen Bevölkerung und Flüchtlingen ermöglicht. Auf diese Weise kann auch ein Beitrag geleistet werden, um vorhandene Vorurteile auf beiden Seiten abzubauen. Seite 9

Die Unterbringung in abgelegenen Gemeinschaftsunterkünften wird von der Landesregierung als besonders schwierige Lebenssituation für die ausländischen Flüchtlinge betrachtet. [...] Bezüglich der bestehenden abgelegenen Gemeinschaftsunterkünfte in den Landkreisen Barnim und Elbe-Elster sollte mit diesen nach Lösungen gesucht werden, um in absehbarer Zeit die Unterbringungssituation durch eine Veränderung des Standorts der Gemeinschaftsunterkunft zu verändern. Dabei sollte gemeinsam ein Fahrplan für die Umsetzung erarbeitet werden. Seiten 29 und 30

Hier der Bericht:

Empfehlungen zum Änderungsbedarf der Mindestbedingungen für den Betrieb von Gemeinschaftsunterkünften und die soziale Betreuung und Beratung

Leben mit Rassismus

ZEIT ONLINE lässt in der aktuellen Serie Leben mit Rassismus Menschen von ihren alltäglichen Rassismuserfahrungen in Deutschland berichten. Sie sprechen von persönlichen Erfahrungen und ihren Ängsten und vom Willen, sich vom Rassismus nicht unterkriegen zu lassen.

Wann kommt die Amadeu-Antonio-Straße?

Zur Erinnerung: Der angolanische Vertragsarbeiter Amadeu Antonio wurde in der Nacht vom 24. auf den 25. November 1990 bei einem pogromartigen Überfall auf einen Ausländertreffpunkt in Eberswalde so schwer geschlagen, dass er nach 11 Tagen Koma am 6. Dezember 1990 verstarb. Der Afrikanische Kulturverein Palanca e.V. und die Barnimer Kampagne Light me Amadeu werben dafür, die Straße, an der das Verbrechen geschah, nach Amadeu Antonio zu benennen.

Dieser Text ist in der heute erschienenen Barnimer Bürgerpost enthalten.

Wann kommt die Amadeu-Antonio-Straße?

Irgendwie sind alle dafür, an Amadeu Antonio zu erinnern – aber kommen soll sie nicht, die Straßenumbenennung. Gegen Rassismus sind auch alle – aber reden will niemand drüber.

Die Eberswalder StVV hat beschlossen, ein würdiges Erinnern an Amadeu Antonio zur Diskussion zu stellen, nur möchten Eberswalder/innen dabei gleich noch an das eine oder andere Opfer von Gewalt mit erinnern. Diese Opfer gehörten alle zur Gruppe der Autochthonen, Einheimischen, und wurden etwa “nach 1945 von sowjetischen Soldaten grundlos ermordet“. Den damaligen angolanischen Vertragsarbeitern wird zusätzlich aufgerechnet, wann und wo sie selbst aggressiv waren.

Ein kommunales Antirassismuskonzept soll her. Da ist Eberswalde anderen Städten voraus. Antirassistische Praxis orientiert sich an den Aufgaben, die die Zeit bietet. Da wäre die erste Aufgabe wohl zu analysieren, wo wir in Eberswalde stehen, auf alle Fälle erstmal mittendrin in Deutschland, in Ostdeutschland. Ein Perspektivwechsel böte sich an, denn die, die rassistische Ausgrenzung erfahren, würden gehört und könnten gestärkt werden.

Und dann wurde angeregt, dass sich ein Freudeskreis an den Heimatort von Amadeu Antonio wendet, um dort Hilfe zu leisten, quasi als Versöhnungsangebot.
Die Mutter wohnt in Rocha Pinto, einem der vielen Armenviertel der angolanischen Hauptstadt Luanda. Lebensmittel sind sehr teuer. Finanzielle Hilfe ist willkommen, hat die Barnimer Kampagne Light me Amadeu erfahren.

Den Menschen in Angola insgesamt würde helfen, wenn Deutschland keine Waffen mehr nach Angola lieferte. Waffen für die Mächtigen (Korrektur, hier hätte ich lieber geschrieben: Waffen für autoritäre Regime …) halten bekanntlich die Armen in Armut und lassen die Demokratie verstummen.

Und vielleicht benötigen wir gar keine Amadeu-Antonio-Straße in Eberswalde! Wichtiger wäre, das Flüchtlingsheim aus Althüttendorf zurück nach Finow zu holen, wo es vor zwanzig Jahren ausbrannte. (Ein geeigneter Ort in Eberswalde wäre zu suchen.)

Eine Vielzahl von Flüchtlingen kommt aus verschiedenen Ländern Afrikas und sucht eine Zukunft in Deutschland. Und hat diese vielleicht in Eberswalde, so wie der Vertragsarbeiter Amadeu Antonio einstmals hoffte.

Es braucht mehr als nur Bekenntniskultur und ein klares Bekenntnis gegen Rassismus.

Die Bekenntniskultur blüht, überall spricht man sich gegen Rassismus aus, doch:

“Alltagsrassismus – Feiertagsrassismus, alles nur Einbildung von oberempfindlichen „Betroffenen“ oder schlimmer: von politisch Korrekten. Diejenigen, die hier das Sagen haben, entscheiden, was Rassismus ist und was nicht. Und da man ihn nur bei Amerikanern kennt oder bei richtig üblen Nazis, muss darüber auch nicht weiter nachgedacht werden.”

..schreibt Anetta Kahane in ihrer aktuellen Kolumne für die Berliner Zeitung.

Da bin ich gespannt, ob es am 29. Mai um 18:00 Uhr im Freiraum Eberswalde, Eisenbahnstr. 92-93 (Medienhaus) bei einer Veranstaltung “Amadeu Antonio – Eberswalder Zustände Gestern und Heute” gelingt, über Alltagsrassismus in Eberswalde und über die Notwendigkeit einer Amadeu-Antonio-Straße zu reden, die ein klares Bekenntnis gegen Rassismus wäre.

Handzettel

Hier möchte ich noch den Text des Handzettels einstellen, den der Afrikanische Kulturverein Palanca e.V. und die Barnimer Kampagne Light me Amadeu anlässlich der Stadtverordnetenversammlung am 26. April 2012 angeboten haben. Die Tagesordnung sah vor, dass über eine Umbenennung eines Teils der Eberswalder Straße in Amadeu-Antonio-Straße beraten wird. Es wurde dann auch viel diskutiert, eine Entscheidung über die Straßenumbenennung aber vertagt.

 

Zur Diskussion um die Amadeu-Antonio-Straße

Straßennamen geben und ermöglichen Orientierung, weisen den Weg im direkten wie im übertragenen Sinn. Für die Kultur und die Stimmung hier ist es nicht egal, ob die Opfer von Rassismus und anderer Formen von Diskriminierung in Vergessenheit geraten oder sichtbar erinnert werden.

„Spricht man mit Europäern vom Rassismus, so reagieren sie oft mit ungläubigem Staunen; nicht selten wird man der Übertreibung oder Verallgemeinerung verdächtigt. Unerträglich für jemand, der mit den Zumutungen einer Gesellschaft konfrontiert ist, in der der/die Bornierteste sich „überlegen“ vorkommen kann, weil er/sie die passende Hautfarbe hat. Ist der Rassismus so leise geworden in der Gesellschaft, die wie keine andere von der absoluten Konsequenz rassistischen Denkens geprägt ist? Oder hört der/die heutige Deutsche nicht genau hin? Sind wir wirklich zu empfindlich? Oder ist das ungläubige Staunen der Reflex in einer diesbezüglich traumatisierten Gesellschaft? Im Nicht-Wahrhaben-Wollen geübten? Oder einer abgestumpften?! Gleichgültigen? Individualistischen? Viele denkbare Gründe.“ (…)

Dr. M. Moustapha Diallo (Literatur- und Sprachwissenschaftler an der Universität Paderborn).

Wenn man unbequeme Realitäten nicht wahrnimmt, fühlt man auch keine Verpflichtung, sie zu ändern.

25.04.2012:

15 Jahre liegt die Gründung des Aktionsbündnisses gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zurück. Dieses Jubiläum haben wir gestern mit zahlreichen Gästen im Potsdamer Kutschstall gefeiert. Mit dabei waren viele derjenigen, die sich Mitte der 1990er Jahre für die Mobilisierung der Zivilgesellschaft gegen die rechtsextreme Bedrohung in Brandenburg stark gemacht haben. Mit dabei waren auch jene, die in der damaligen Landesregierung erkannten, dass “wir eine Bewegung der ganzen Gesellschaft brauchen”, um die Gefahr von rechts und den Rassismus einzudämmen. So formulierte es gestern Manfred Stolpe, der im März 1997 zur Gründung des Aktionsbündnisses aufgerufen hatte. Betont wurde dabei auch, dass noch viel zu tun bleibt. “Bleiben Sie dran!” bat deshalb Mathias Platzeck in seinem Grußwort die Mitglieder des Aktionsbündnisses.

Die Amadeu-Antonio-Straße ist mehr als eine symbolische Geste. Sie ist ein starkes Signal, um Rassismus zu erkennen und ins Bewusstsein zu rücken. Ein kräftiger Impuls, der von vielen Menschen wahrgenommen werden wird. 

Es gab viele kleinliche Argumente gegen die Straßenumbenennung. Darauf gingen wir in Gesprächen und in Leserbriefen ein. Nun soll die Frage der Amadeu-Antonio-Straße vertagt und erst ein umfassendes Konzept des Gedenkens erarbeitet werden.

Wir würden dieses Konzept gern mit erarbeiten. Aber so etwas dauert. Darum sollte die Umbenennung der Straße als ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg zu einer Neukonzeption des Gedenkens nicht vertagt, sondern in diesem Jahr gegangen werden.

Zum 50. Geburtstag von Amadeu Antonio am 12. August 2012 wäre das unserer Meinung nach eine wichtige Geste der Stadt. Auch eine würdigende Geste für das Leid der Mutter, aller Angehörigen und Freunde von Amadeu Antonio.

In diesem Sinne bitten wir Sie, sich für die Umbenennung eines Teils der Eberswalder Straße in Amadeu-Antonio-Straße einzusetzen, auch gegen Widerstände aus „unterschiedlichsten Gründen“.

26.04.2012

Palanca e.V., Eberswalde

Barnimer Kampagne „Light me Amadeu“