Beratung zum Antirassismuskonzept Eberswalde

Am 19.06.2012 findet ab 18.15 Uhr die nächste Sitzung des Ausschusses für Kultur, Soziales und Integration der Stadt Eberswalde im Tourismuszentrum im Familiengarten Eberswalde statt.

Das ist genau der Ort, an dem die Stadtverordneten einen feierlichen Gedenkakt anlässlich des 50. Geburtstags von Amadeu Antonio am 12. August vorgesehen haben.

Unter TOP 8 ist eine “Diskussion zu den Leitzielen des Antirassismuskonzepts” vorgesehen.

Hier der Text des Beschlusses 37/408/12 der Stadtverordnetenversammlung vom 26.04.2012, eingereicht von der Fraktion Die Fraktionslosen:

Betrifft: Antirassismuskonzept und Amadeu-Antonio-Straße

1. Am 12. August 2012 findet im Tourismuszentrum des Familiengartens ein feierlicher Gedenkakt der Stadtverordnetenversammlung anlässlich des 50. Geburtstages von Amadeu Antonio statt.

2. Die Verwaltung wird beauftragt, ein Konzept zu entwickeln, das einen Weg zu einer würdigen Erinnerung an Amadeu Antonio weist.

3. Der Kulturbeirat der Stadt Eberswalde wird gebeten, dem Ausschuss für Kultur, Soziales und Integration zu seiner Sitzung im Mai einen Vorschlag zur Bildung einer Arbeitsgruppe, die sich mit der Erarbeitung eines Antirassismuskonzepts befassen soll, zu unterbreiten.

4. Die durch den Ausschuss für Kultur, Soziales und Integration bestätigte Arbeitsgruppe nimmt unverzüglich ihre Arbeit auf. Sie stimmt mit dem Fachausschuss die Zeitplanung, inhaltliche Schwerpunkte und die daraus entwickelten Maßnahmen ab. Die Verwaltung verpflichtet sich, in dieser Arbeitsgruppe mitzuarbeiten.

Was fehlt?

Als die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen noch gemeinsam mit der Fraktion Die Fraktionslosen Einreicher der Vorlage BV/751/2012 mit gleichlautendem Betreff war, lautete es so:

2. Der Abschnitt der Eberswalder Straße zwischen Heegermühler Straße und Kopernikusring wird in “Amadeu-Antonio-Straße” umbenannt. Die feierliche Enthüllung des neuen Straßenschildes erfolgt im Anschluss an die Gedenkveranstaltung.

Eine Arbeitsgruppe zum Antirassismuskonzept gibt es nicht, wohl aber viele Menschen in Eberswalde, die sich gerade zusammenschließen, um am Entstehen eines solchen Konzepts mitzuwirken.

Präambel zur Diskussion II

Hier ein weiterer Entwurf, diesmal von der Barnimer Kampagne Light me Amadeu.

„Anders ist normal”

Präambel

Für ein gleichberechtigtes Zusammenleben in Eberswalde in Vielfalt und Unterschiedlichkeit.

Rassismus ist eine gesellschaftliche Wirklichkeit in Deutschland.

Die rassistische Unterscheidung von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Ethnie, Herkunft und Religion findet sich in allen gesellschaftlichen Bereichen.

Rassismus ist nicht vorrangig ein individuelles Problem, aber verstrickt in rassistische Strukturen, Diskurse, Praxen, Denk- und Gefühlsmuster sind Individuen und soziale Gruppen – in unterschiedlichem Maße – immer an einer Reproduktion der rassistischen Verhältnisse (auch ungewollt) beteiligt.

Wir sehen uns mit einer wachsenden Desintegration vieler gesellschaftlicher Sphären konfrontiert, die Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung Vorschub leistet. Dieser Spaltung wollen wir mit einer Kultur des inklusiven Zusammenlebens entgegenwirken.

Mit der Erstellung eines Antirassismuskonzepts drückt die Stadt Eberswalde ihren ernsthaften Willen aus, Rassismus zu verringern.

Das Antirassismuskonzept wird das bisher Erreichte (von der Vergangenheit bis in die Gegenwart) sammeln, zusammenfassen und darauf aufbauend weitere konkrete Schritte zu einem ebenbürtigen Zusammenleben aller Bewohnerinnen und Bewohner in Eberswalde entwickeln.

Adressaten des Konzepts und der Maßnahmen sind alle Eberswalderinnen und Eberswalder und insbesondere die kommunale Verwaltung und Politik, welche ihr Handeln an den Vorstellungen dieses Konzepts ausrichten.

Die Akteure der Zivilgesellschaft sind aufgefordert, Politik und Verwaltung an diesem Konzept zu messen.

Präambel zur Diskussion

Dieser Verwaltungsentwurf für eine Präambel zum Antirassismuskonzept der Stadt Eberswalde steht seit gestern zur Diskussion.

Eberswalde versteht sich als eine weltoffene Stadt.

Die Vorstellung eines nicht-rassistischen Gemeinwesens, in der alle Formen von ethnischer Diskriminierung der Vergangenheit angehören, muss uns heute als Utopie erscheinen.

Ein erreichbares Ziel ist aber eine anti-rassistische Stadt; eine Stadt, die bestrebt ist, stereotype und diskriminierende Vorstellungen über Menschen, die nicht der deutschen Mehrheitsgesellschaft angehören soweit wie möglich zurückzudrängen.

Diese Grundsätze leiten sich aus den normativen und moralischen Grundsätzen einer pluralistischen Gesellschaft ab, in der Religion, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Hautfarbe und ethnische Zugehörigkeit für das Ansehen einer Person keine Rolle spielen dürfen.

Rassismus ist nicht vorrangig ein individuelles Phänomen. Rassistisches Denken und rassistische Praktiken prägen unseren Alltag und entfalten ihre soziale Wirkung.

Dem wollen wir mit einer Leitkultur des Zusammenlebens entgegenwirken.

Mit der Erstellung eines Antirassismuskonzepts drückt die Stadt Eberswalde die Ernsthaftigkeit ihres Bestrebens aus Rassismus zu verringern.

Das Antirassismuskonzept wird das Erreichte auf diesem Weg zusammenfassen und darauf aufbauend weitere konkrete Schritte zu einem gleichberechtigten Zusammenleben aller Bewohner/innen in Eberswalde entwickeln.

Adressaten des Konzepts und der Maßnahmen sind alle Eberswalder/innen und insbesondere kommunale Verwaltung und Politik, die ihr Handeln an den Vorstellungen diese Konzepts ausrichten.

Die Akteure der Zivilgesellschaft sind aufgefordert Politik und Verwaltung an diesem Konzept zu messen.

Es geht auch darum, von Rassismus Betroffene zu schützen und zu unterstützen und insbesondere ein Klima zu schaffen, in dem sie sich erfolgreich gegen Alltagsrassismus wehren können.

SOR – SMC Schüler/innentreffen in Eberswalde

Am nächsten Donnerstag findet ein Regionaltreffen von Schülerinnen und Schülern aus Initiativen Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage im EXIL Eberswalde statt.

Drei Punkte gehören zum Selbstverständnis einer Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage:

  • Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer und alle anderen Personen einer Schule setzen sich dafür ein, dass nachhaltige und langfristige Initiativen entwickelt werden, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden. 
  • Es gibt eine Auseinandersetzung mit diskriminierenden / rassistischen Äußerungen oder Handlungen.
  • Einmal im Jahr gibt es ein Projekt, um gegen Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, vorzugehen.

Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler aus 12 Schulen werden einander ihre Aktivitäten vorstellen. Friedhelm Boginski, Bürgermeister von Eberswalde und als Schulleiter selbst einmal an einer Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage aktiv, will am Vormittag genau dann dabei sein.

Bewusst gewählt hat Andrea Rauch, die als Landeskoordinatorin für SOR – SMC bei der RAA Brandenburg fungiert, für das Treffen das EXIL. Die Schülerinnen und Schüler können so die Bemühungen um den Erhalt eines authentischen Ortes nationalsozialistischen Terrors kennen lernen.

Mitglieder des Jugend- und Kulturverein EXIL e.V. werden die Dauerausstellung Wiedersehen mit Eberswalde – Hier gibt es keinen Hass mehr, in der drei Überlebende von der Verschleppung nach Deutschland und dem elenden Leben  im KZ Außenlager Eberswalde erzählen, vorstellen.

Anschließend gibt es drei Workshops:

  • Dieter Gadischke stellt die Barnimer Kampagne Light me Amadeu vor und diskutiert mit den Schülerinnen und Schülern darüber, was Rassismus ausmacht und was man zu seiner Verringerung tun kann.
  • Mit Frank Radüg geht es um Emotionen und Körperreaktionen im kulturellen Kontext.
  • Volkan T steigt mit einem Blick auf Zuwanderung seit dem Anwerbeabkommen zwischen der BRD und der Türkei ein und klärt zudem Begriffe wie Migration, Ausländer/in ect., um dann gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern auf aktuelle Diskussionen einzugehen.

In einer Verabredungsrunde wird nachgefragt, wo die Schülerinnen und Schüler aktuell Unterstützung benötigen.