Die Amadeu-Antonio-Straße ist überall

Eigentlich sollte ab dem 12. August 2012, dem 50. Geburtstag von Amadeu Antonio ein Stück der Eberswalder Straße in Eberswalde seinen Namen tragen. Die Amadeu-Antonio-Straße wäre dann dort gewesen, wo sie unserer Meinung nach hingehört.

Mit 28 Jahren wurde Amadeu Antonio in dieser Straße Opfer brutaler rassistischer Gewalt, vorher lebte er dort wie andere Vertragsarbeiter in einem Wohnheim – separiert.

Als wir die Kampagne für eine Amadeu-Antonio-Straße starteten, waren die Morde der Zwickauer Terrorzelle (NSU) noch nicht bekannt. Heute lesen wir, dass es in Rostock und Kassel nicht möglich ist, den Opfern mit Straßennamen zu gedenken.

Die Amadeu-Antonio-Straße ist überall.

Und die Amadeu-Antonio-Straße ist nicht da, wo sie hingehört.

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Aktion: “Die Amadeu-Antonio-Straße ist überall”:

Die neuen Aufkleber (19,3 x 6 cm, 10 Cent das Stück) und T-Shirts (verschiedene Größen, 10,00 Euro) sind fertig. Straßenschilder für 42,00 Euro gibt es ebenfalls.

Workshops für ein Konzept für die Erinnerung an Amadeu Antonio am 17. und 24. September ab 17.00 Uhr im Tourismuszentrum Eberswalde

Der angolanische Vertragsarbeiter Amadeu Antonio wurde 1990 in Eberswalde von einem Weißen Mob erschlagen, der Jagt auf “N………” machte.

Dieses rassistische Verbrechen ist Teil der Stadtgeschichte.

Zu dieser Geschichte gehört auch, dass sich Menschen zusammenfanden, weil sie nicht hinnehmen wollten, dass der Auschluss von people of color und die Gewalt der Nazis die Stadt beherrschen. Am Beginn der 90er gab es den In- und Außländer/innenkreis, später das Netzwerk “Für ein tolerantes Eberswalde”. Heute sind Gruppen wie die Barnimer Kampagne Light me Amadeu und das Bündnis F.E.T.E. Für Ein Tolerantes Eberswalde aktiv. Gemeinsam mit dem Afrikanischen Kulturverein Palanca e.V. werben sie für die Umbenennung eines Teils der Eberswalder Straße in Amadeu-Antonio-Straße.

Diese Straßenumbenennung wäre ein wichtiges Signal der Stadt Eberswalde, eine würdigende Geste auch für das Leid der Familie, aller Angehörigen und Freunde von Amadeu Antonio, außerdem als ein deutliches Bekenntnis gegen den alltäglichen Rassismus und damit gegen Anknüpfungspunkte von Nazis und Rechtspopulisten.

Es geht uns auch um den Wechsel der Blickrichtung, weg vom verständnisvollen Schauen auf die Täter und ihre Motive, auf völkische Stimmungen in Teilen der Weißen Mehrheit, hin zur Perspektive der Menschen, die der Rassismus verletzt, hin zum Blick auf die durch Vielfalt geprägte Realität und eine Zukunft, die nur multikulturell sein kann.

Straßennamen geben und ermöglichen Orientierung, weisen den Weg im direkten wie im übertragenen Sinn. Für die Kultur und die Stimmung in Kommunen ist es nicht egal, ob die Opfer in Vergessenheit geraten, oder an sie sichtbar erinnert wird.
Die Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit hilft, ihre Ursachen und Auswirkungen zu reflektieren, um das Schweigen zu überwinden und ähnliche Verbrechen zu vermeiden.

Eine Bürgerinitiative verhinderte bisher die Amadeu-Antonio-Straße.

Nun sind die Einwohner/innen von Eberswalde und alle Interessierten aufgerufen, in zwei Workshops Vorschläge einzubringen und zu diskutieren, wie an Amadeu Antonio erinnert werden kann. Die erste Runde am Montag, den 17. September soll genutzt werden, die verschiedenen Erwartungen auszutauschen. Am darauf folgenden Montag, den 24. September wird es darum gehen, konkrete Maßnahmen für das Erinnern an Amadeu Antonio zu entwickeln.

Die Ergebnisse der beiden Workshops werden in ein Erinnerungskonzept einfließen, das von der Stadtverwaltung im Oktober 2012 erarbeitet und der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt wird.

“Wir suchen ergebnisoffen nach der würdigsten Form der Erinnerung an Amadeu Antonio”, betont der Bürgermeister. Am Ende der Diskussion könne auch ein Bekenntnis zur Straßenumbenennung stehen. ,,Das rassistische Verbrechen ist Teil der Stadtgeschichte. Vieles wurde in den Jahren danach gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit unternommen. Der Mord an dem Vertragsarbeiters aus Angola ist uns dabei stets Mahnung, im Bemühen für ein tolerantes Eberswalde nicht stehenzubleiben”, sagt Friedhelm Boginski. MOZ 05.09.2012

Internationales Kinderfest zum Weltkindertag

Das Eberswalder Kinder- und Familienfest zum Weltkindertag begeht am 29. September sein 10jähriges Jubiläum. Von 13.00 – 17.00 Uhr erwarten die Besucherinnen und Besucher des Familiengartens Eberswaldeein buntes Programm auf einer Kleinbühne sowie viele Möglichkeiten für eigene Aktivitäten.

Der Weltkindertag ist Anlass für Informationen, Diskussionen und Gedanken über die Situation aller Kinder dieser Welt. Darüber hinaus betont das Fest, dass wir in einer Einwanderungsgesellschaft leben. Eine gesellschaftliche Aufgabe in dieser Einwanderungsgesellschaft ist die Förderung von Deutsch als Bildungssprache und die Achtung und Einbeziehung der Herkunftssprachen der Kinder.

Das Fest lebt durch viele Ehrenamtliche. Traditionell engagieren sich Erzieherinnen aus den Kita und Horten der Stadt.

Hier das ganze Programm und eine Aufzählung aller Mitwirkenden, den mein / unser herzlicher Dank gilt:

Parkplatz Ostausgang

Radio Teddy Truck

13.00 Uhr – Eröffnung des 10. Internationalen Kinderfestes

Estside Fun Crew

Kleinbühne auf der Wiese an der Kranbahn

13.45 Uhr

Puppenbühne des Vereins “Kontakt” Eberswalde e.V.

14.30 – 15.20 Uhr

Figurentheater Tatyana Khodorenko mit “DÄUMELINGS WANDERSCHAFT”

unter den Platanen / neben der Großbühne

Mitmachangebote der Kita Sputnik, Pusteblume, Nesthäkchen, Gestiefelter Kater, Sonnenschein, des Jugendhilfeprojekts “Nordlicht”, der Vereine “Kontakt” Eberswalde e.V. und Jüdische Gemeinde im Landkreis Barnim e.V. sowie von Schüler/innen des Gymnasiums Finow

sportliche Aktivitäten mit dem Kreissportbund Barnim e.V. und dem Hort Kinderinsel

Große Wiese

Trommeln mit dem Afrikanischen Kulturverein Palanca e.V.,

Lager der Pfadfinder der evangelisch-methodistischen Kirche – „Barnimer Waldläufer“ – Wesley Scouts Eberswalde

Pferdereiten mit dem Eberswalder Reit- und Fahrverein e.V

Finowkanal, untere Haltung der Drahthammer Schleuse

Kanufahren, ein Angebot vom Projekt “Netzball” beim Haus Sozialer Integration e.V

Wiese an der Kranbahn

Internationale Bratwurstküche


Das 10. Internationale Kinderfest wird gefördert von der Stadt Eberswalde und dem Landkreis Barnim, Beauftragte für Migration und Integration und Lokaler Aktionsplan Barnim.

Dank an die Sponsoren GLG Gesellschaft für Gesundheit und Leben und den Ökumenischen Arbeitskreis Eberswalde.

 

EU_Sozialfonds  Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft

Investition in Ihre Zukunft

Das 10. Internationale Kinderfest ist Bestandteil des Projektes “Stärkung von Kompetenz für Arbeit am Erinnerungsort Eisenspalterei”, gefördert durch das Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Brandenburg.

 

 

Singsang zum Schulanfang

Wie Kindern in Eberswalde locker-flockig Vorurteile vermittlet werden, ist hier an einem Beispiel zu erfahren.

Im Barnim Echo vom 6. August war im Artikel “Alle Kinder lernen lesen …” u. a. folgendes über eine Einschulungsfeier zu lesen: Die musikalische Einstimmung auf den Unterricht präsentierten [...] von der Musikschule Eberswalde während des Festaktes. Gemeinsam mit den Neulingen singen sie “Alle Kinder lernen lesen, Indianer und Chinesen. Selbst am Nordpol lesen alle Eskimos. Hallo Kinder, jetzt geht´s los.”

Es ist anzunehmen, dass der gesamte Liedtext Verwendung fand, darum gebe ich diesen hier zur Kenntnis:

Alle Kinder lernen lesen

Text: Wilhelm Topsch

Textrechte beim Autor
Melodie: mündlich überliefert (“Glory glory hallelujah”)
auf der CD “Klassenhits 1″

Verlag: Kontakte Musikverlag

REFRAIN:
Alle Kinder lernen lesen,
Indianer und Chinesen,
selbst am Nordpol lesen alle Eskimos:
Hallo Kinder, jetzt geht’s los!

A sagt der Affe, wenn er in den Apfel beißt.
E sagt der Elefant, der Erdbeeren verspeist.
I sagt der Igel, wenn er sich im Spiegel sieht.
Und wir singen unser Lied.

REFRAIN

O sagt am Ostersonntag jeder Osterhas.
O sagt der Ochse, der die Ostereier fraß.
U sagt der Uhu, wenn es dunkel wird im Wald.
Und wir singen, dass es schallt.

REFRAIN

Au sagt das Auto wenn es um die Ecke saust.
Ei sagt der Eisbär, der in seiner Höhle haust.
Eu sagt die Eule, heute sind die Mäuse scheu.
Und wir singen noch mal neu

REFRAIN

 

Folgende Kritik habe ich hier gefunden und möchte einige Anmerkungen zusammengefasst zitieren:

Für “Alle Kinder lernen lesen …” findet die Melodie von „John Browns Body“ (“Glory glory hallelujah”) Verwendung, einem Lied, das aus der nordamerikanischen Sklavenbefreiungsbewegung stammt. John Brown war radikaler Gegner der Sklaverei in den USA. Die Aneignung der Melodie für dieses Kinderlied, das Rassismen und ein koloniales Weltbild reproduziert, kehrt den eigentlichen Kontext in sein Gegenteil.

Zum Text des Kinderliedes:

Es lässt sich davon ausgehen, dass die Aufzählung (Indianer, Chinesen, Eskimos) eine Ergänzung ist. Im Sinne alle Kinder, wirklich alle. Diese Vergewisserung, Bestätigung des “alle” durch „Indianer“, „Chinesen“ und „Eskimos“ ist nicht weniger als eine Besonderung der Genannten. Alle umfasst bereits alle. Da „alle“ bereits absolut ist, bedeutet die Steigerung und die besondere Nennung nichts weniger als ein „sogar“. Dieses sogar wird durch das Wörtchen „selbst“ bestätigt.

Es wird nicht von der Normalität ausgegangen, dass die genannten Gruppen lesen lernen. Diese Nichtnormalität entspringt dem Bild, dass die Genannten dumm seien, nicht zu zivilisatorischen Leistungen – wie dem Lesen als basaler Kulturtechnik – fähig. Ein altes rassistisches Muster. Allerdings ohne es zu durchkreuzen, denn „Indianer“, „Chinesen“ und „Eskimos“ bleiben die einzigen Genannten. Sie sind es, die besonders hervorgehoben werden müssen, um das “alle” zu bestätigen – in einem Tonfall von „kaum zu glauben“. Sie bleiben der Gegenpol zum “alle”, gerade durch die Besonderung.

Auffällig ist außerdem, dass die Genannten allesamt aus ehemaligen Kolonialgebieten sind, mithin koloniale Bezeichnungen reproduziert werden.

„Selbst“ in den „unterentwickelten Ex-Kolonien“ wird gelesen, ist der Subtext des Liedes.
Die Selbstverständlichkeit zu lesen, die das Lied vermitteln soll, wird nur durch eine ethnisierende Besonderung und damit Exklusion möglich. Wenn die schon lesen, dann müssen wir es erst recht.

Auf die Aufzählung der „anderen“ folgt die Aufzählung von Tieren. Es liegt nahe, hier eine diskursive Verknüpfung von Ethnisierten und Tieren zu lesen. Auch wenn die Funktion der Tiernamen eine pädagogische Brücke für bestimmt Laute ist, bleiben die Aufgezählten bei dieser Leselernparty: „Indianer“, „Chinesen“, „Eskimos“, „Affe“ „Elefant“, „Igel“, „Osterhase“, „Ochse“, „Uhu“ „Eisbär“ „Auto“ (ein Ding) und „Eule“.

Die Strophenteile enden immer mit einer „wir“-Konstruktion („Und wir singen unser Lied“, „Und wir singen, dass es schallt“, „Und wir singen noch mal neu“). Es folgt der Refrain. Dieses „wir“ wird dem exkludierten „alle“ gegenübergestellt.

Quelle der Kritik: http://schaetzchen.blogsport.de/2011/05/09/einuebungen/

Hier die ganze Kritik zum Anhören: Audioportal Freier Radios – “Alle Kinder lernen lesen”