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Hier gibt es was zu voten. Gewinnen kann mensch dabei Informationen und das Gefühl, mit anderen eine ähnliche Meinung zu teilen und / oder ein Anliegen zu unterstützen, das wichtig für Eberswalde ist.

Stimmen Sie / Stimmt bei AVAAZ.org BÜRGERpetitionen für eine Amadeu-Antonio-Straße.

Straßennamen geben und ermöglichen Orientierung, weisen den Weg im direkten wie im übertragenen Sinn. Für die Kultur und die Stimmung in unseren Orten ist es nicht egal, ob die Opfer in Vergessenheit geraten oder sichtbar erinnert werden.
Die Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit hilft, ihre Ursachen und Auswirkungen zu reflektieren, um das Schweigen zu überwinden und ähnliche Verbrechen zu vermeiden.

Nachtrag: Am 15.12.2012 wurde die Möglichkeit die Petition zu unterschreiben geschlossen. Bis dahin hatten 872 Menschen aus der ganzen Welt unterschrieben. Avaaz befand sich 2012 in der Testphase und die Zentrale – in / bei New York – wurde zwischendurch durch den Tropensturm Sandy mächtig in Mitleidenschaft gezogen, so dass einige Zeit gar nichts mehr ging.

Der Video Award 2012 des Deutschen Bürgerpreises geht in die entscheidende Phase: bis zum 15. November kann mensch über die besten drei Ehrenamtsvideos zum diesjährigen Schwerpunktthema “Projekt Zukunft: Engagiert für junge Leute.” abstimmen.

Die JugendUni der Bürgerstiftung Barnim Uckermark hat einen erfolgreichen Start hingelegt. 25 Schuljugendliche besuchten die Physikvorlesung, etwa 15 die Antirassismusvorlesung. Beide Veranstaltungen sind sehr gut angekommen. Mit einem Filmbeitrag zur JugendUni (gedreht von Steffen Bartz – Student HNE Eberswalde und Sascha Leeske) nimmt die Stiftung im Wettbewerb um den Deutschen Bürgerpreis teil. Wir haben es geschafft, unter die  zehn besten Filme zu kommen, per Internet-Voting wird nun ein Sieger ermittelt.

Und dann noch: Against Black-Face Roles in German Theatre

The German theatre use of “black-faced” white actors in roles written and designed for blacks subverts the intentions of the dramatists and denies work to black actors. On a broader scale, black-face demeans black Germans and reinforces racist societal and political positions of power.

Mehr Informationen dazu hier: Die Differenzierung der Null-Toleranz-Position

Im MIGAZIN habe ich passend dazu einen sehr persönlichen Artikel von Evi Rejeki gefunden, der beschreibt, wie schwer es ist, gegen “bequeme, arrogante, verängstigte, veraltete, von Vorurteilen geprägte Denkweisen” anzukämpfen.

Heute vor 25 Jahren

überfielen Nazis ein Punkrockkonzert in der Zionskirche in Berlin / Prenzlauer Berg. Die Existenz einer gewalttätigen Naziszene in der DDR lässt sich seit dem nicht mehr verschweigen.

Oder doch.

“Das ist alles nach der Wende aus dem Westen herübergeschwappt.” bekam ich in der Diskussion um die Amadeu-Antonio-Straße zuhören.

Nazis im FDJ Jugendclub in der Finower Bahnhofstraße gab es in den 80ern also nicht. Die antifaschistische DDR hätte sowas nicht zugelassen. Der Mob, der im November 1990 von diesem Jugendclub aufbrach, Amadeu Antonio tötete und weitere Schwarze schwer verletzte, war nach dieser Sichtweise entweder aus dem Westen oder eine Ansammlung von verstörten und desorientierten Wendeopfern. Dass dem nicht so war, dass es in der DDR eine Naziszene gab, die Jagt auf Punks, Schwule und Schwarze machte, davon erzählt uns der 17. Oktober 1987.

Die Nacht der Nazis in der Zionskirche (ein Artikel aus der taz)

Konrad Weiß: Die neue alte Gefahr / Junge Faschisten in der DDR (die erste öffentliche Analyse des Rechtsradikalismus in der DDR)

Lesenswert: “Es gibt keinen Rassismus mit Herz”, Beitrag zu Buschkowskys Buch “Neukölln ist überall”

Aziz Bozkurt, Vorsitzender der AG Migration und Vielfalt in der Berliner SPD und Mitglied des Landesvorstandes, schreibt zum Buch von Heinz Buschkowsky in der Berliner Zeitung u. a. folgendes: “Ich hatte inständig gehofft, dass wir aus dem Sarrazin-Trauma etwas gelernt haben und nun besser wissen, wo das Problem beginnt. Vergeblich. Daher eine Klarstellung: Rassismus ist, wenn die Gleichwertigkeit von Menschen infrage gestellt wird – kombiniert mit Verallgemeinerungen und kulturalisierten Abwertungen über „die Türken“, „die Araber“, „die Muslime“. Wenn wir uns darauf verständigen, dann finden wir in Buschkowskys Buch viele Passagen, die im Kern rassistische Argumentationen sind” (Link zum Artikel mit einigen Beispielen)

Na da ist “Neukölln ist überall” wohl kein Werk für den im städtischen Vorschlag für ein Konzept zur Erinnerung an Amadeu Antonio vorgesehenen Bibliotheksbestand “Amadeu Antonio”, in dem Medien zum Themengebiet Antirassismus präsentiert werden sollen. Sarrazins “Deutschland schafft sich ab” gibt es schon zur  Ausleihe, das lässt sich nur ändern, wenn man (frau), wie eine Bekannte von mir, das Ding für Monate abholt und zu Hause auf seine (ihre) Anbauwand wirft.

Nachtrag: Ich möchte auf einen weiteren Artikel von Aziz Bozkurt zu Heinz Buschkowsky hinweisen. Schön formuliert – beim korpulenten Genossen geht es um die Wurst. (Link zum Artikel auf der Seite MIGAZIN)

Das städtische Konzept zur Erinnerung an Amadeu Antonio liegt zur Diskussion vor.

In der zweiten Wochenhälfte haben wir ihn bekommen, den städtischen Vorschlag für ein umfangreiches Erinnern an Amadeu Antonio. Dieser wird nun im Kulturausschuss im November diskutiert und hoffentlich im Dezember von der StVV beschlossen.

Das Konzept ist Ergebnis zweier öffentlicher Workshops im September. Über die Kritik an den Äußerungen der Bürgerinitiative “5. Gebot” hinaus ist zu schreiben, dass dank der Mehrzahl der Telnehmenden es nun nicht an Ideen und ganz realen Möglichkeiten mangelt, über Rassismus zu reden. Das Konzept zielt auf eine “Verankerung des Mordes an Amadeu Antonio im öffentlichen Bewusstsein der Stadt und die Verpflichtung zur fortwährenden Auseinandersetzung mit der Tat und mit Rassismus”.

Anlass des Ganzen ist die Kontroverse, ob ein Teil der Eberswalder Straße in Amadeu-Antonio-Straße umbenannt werden soll oder nicht. “Die Verwaltung schlägt, nach Abwägung aller Argumente, die Benennung des Bildungszentrums in der Puschkinstraße in „Amadeu Antonio Haus“ vor.”

Hierzu erfolgt diese Begründung:

“Dass es sich bei dem umzubenennenden Teilstück um den authentischen Ort der Tat handelt, ist ein schwerwiegendes Argument. Eine Umbenennung dieses Straßenabschnittes hätte vor diesem Hintergrund eine starke Symbolkraft. Ebenfalls ist in Rechnung zu ziehen, dass die Straßenumbenennung von Angehörigen der Opfergruppe (Afrodeutsche Einwanderer) als angemessene Form der Erinnerung angesehen und vorgeschlagen wurde. (Afrodeutsche Einwanderer ist wohl zu korrigieren in: in Eberswalde lebende Angolaner, die genau wie Amadeu Antonio als Vertragsarbeiter nach Deutschland kamen und Kollegen von ihm waren, und Kinder dieser Angolaner, Schwarze Bürger/innen von Eberswalde).

Auf der Ebene der Authentizität kann eine Namensgebung für das Bildungszentrum nicht mit der Straßenumbenennung konkurrieren. Allerdings ist die Benennung eines zentralen öffentlichen Gebäudes ein sehr starker Ausdruck, der auch in der Öffentlichkeit so wahrgenommen wird. Vor allem sehen wir einen starken inhaltlichen Bezug zwischen Bildung und Rassismus, weshalb eine Namensgebung in der Puschkinstraße ausgesprochen sinnfällig ist.

Zudem ist an diesem Ort sowohl eine thematische Beschäftigung mit Rassismus durch die Bibliothek und die Kita möglich, als auch eine umfangreichere Darstellung des Lebens von Amadeu Antonio, der Tat und ihrer Aufarbeitung.”

Dass die vorhandene Gedenktafel wegen der verwendeten “altdeutschen Schriftart” durch eine Tafel mit “zeitgemäßer Typografie” ersetzt werden soll, halte ich für einen Fehler. Couragiere Bürger/innen hatten nicht nur die Tafel initiiert und angebracht, sie sorgten auch in einer Zeit, als die Gewalt gegen Schwarze und ihre Familien in der Stadt grassierte, für Schutz (Telefonkette). Die Tafel sieht so aus, wie sie aussieht, weil sie ein Steinmetz gestiftet hat, der sonst Grabsteine fertigte. (Was ist daran falsch?) Richtig und wichtig ist, dass am authentischen Ort etwas passiert. Denkbar wäre eine Informationstafel. Diese könnte da stehen, wo einst das Hüttengasthaus war, der Treffpunkt der Schwarzen, dem der Überfall galt.

für die Ruhe von Amadeu Antonio möchte ich unruhig bleiben

 

Ich bin dankbar, dass es dieses Gedicht gibt. Es schafft Klarheit. Diese Klarheit löscht die im Folgendem beschriebene Initiative aus. Mehr noch, Finower/innen erzählen, gefragt wie sie mit der Erinnerung an Amadeu Antonio umgehen möchten, von Gewaltverbrechen “sowjetischer Besatzer”, Taten einzelner Armeeangehöriger, und fragen nicht danach, warum die Sowjetarmee in die Stadt kam. Zur Erinnerung: Die Deutschen hatten in der Sowjetunion einen Vernichtungskrieg mit Millionen Toten geführt und der überlebenden sowjetischen Bevölkerung war zugedacht gewesen, den Deutschen fortan als Sklaven zu dienen.

Im Eberswalder Stadtteil Finow existiert ein Gedenkstein und ein Park aus der Zeit der DDR, der an die Opfer der Nazis erinnert. Die Bürgerinitiative “5. Gebot” will dort einen “Garten der Erinnerung” einrichten, “der eine öffentliche Auseinandersetzung mit allen Eberswalder Gewaltopfern nach der Wende ermöglichen würde”. (siehe MOZ vom 26.09.2012)

Diesen “Garten der Erinnerung” verstehen seine Initiatorinnen und Initiatoren als Gegenvorschlag zu einer Umbenennung eines Teil der Eberswalder Straße in Amadeu-Antonio-Straße. Während der von der Stadt Eberswalde veranstalteten Workshops zum Umgang mit der Erinnerung an Amadeu Antonio wurde von Mitgliedern der Bürgerinitiative “5. Gebot” vehement vorgetragen, dass auch “Opfern der sowjetischen Besatzungszeit” gedacht werden solle. An anderer Stelle heißt es von der Bürgerinitiative “5. Gebot”, dass vier Stelen errichtet werden sollen, “eine für Opfer des Faschismus, eine für die Opfer sowjetischer Besatzungszeit, eine für die Opfer von Rassismus und Glaubensfeindlichkeit und eine für die Opfer menschenverachtender Motive (Kindesmißhandlungen, Amokopfer, Ehrenmordopfer u.ä.)”.

Was Ergebnis der beiden Workshops sein wird, und ob es zu einer “intensiven und konstruktiven Auseinandersetzung mit Rassismus” in Eberswalde kommt, wie der erste Workshop versprach, oder ob es am Ende heißt “Hier bestimmen wir (, und wir wollen die rassistische Gewalttat an Amadeu Antonio durch weiße Eberswalder/innen nicht öffentlich würdigen, sondern lieber was von uns erzählen)”, ist offen. Berichte sind hier zulesen:

Über den ersten Workshop am 17. September 2012:

Warum wir an Amadeu erinnern.

Über den zweiten Workshop am 24. September 2012

“Hier bestimmen wir”

ODF TV – News Barnim berichtet: “Zu den favorisierten Ideen zählt weiterhin eine mögliche Amadeu-Antonio-Straße, aber auch ein Garten der Erinnerung sowie kritische Bildungsarbeit in Schulen.”