Nazipropaganda gegen Flüchtlinge zündet bisher kaum.

Gestern hat die Barnimer NPD mit Berliner Unterstützung versucht gegen eine für Flüchtlinge vorgesehene Unterkunft in Zepernick zu hetzen. 200 Menschen aus dem Barnim stellten sich dem entgegen. Mehr dazu und weitergehende Kommentare sind in einem Artikel der Potsdamer Neuesten Nachrichten zu lesen.

Hier will ich Teile einer Presseveröffentlichung des Landkreises Barnim zur Unterbringung von 20 Flüchtlingen in Zepernick anlässlich eines Gesprächs mit Gemeindevertreter/innen vom 8. November wiedergeben:

Das seit einiger Zeit leerstehende aber bereits sanierte Gebäude im Zentrum der Gemeinde, das ehemals als Gast- und Beherbergungsstätte genutzt wurde, verfügt über insgesamt 10 Zimmer auf zwei Etagen. Im Erdgeschoss befindet sich eine geräumige Küche. Der großzügige Eingangsbereich eignet sich sehr gut als Gemeinschaftsraum. Auf jeder Etage befinden sich jeweils zwei Bäder.  Zudem gibt es einen Hauswirtschaftsraum.

Silvia Ulonska lobte die ausgezeichnete Infrastruktur der Gemeinde. „Einkaufsmöglichkeiten und Einrichtungen zur medizinischen Versorgung sind gut zu erreichen. Es gibt Kindertagesstätten und eine Grundschule. Auch die Erreichbarkeit der Städte Eberswalde, Bernau und Berlin mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist gegeben. Die Menschen können am gesellschaftlichen Leben teilhaben und sind nicht isoliert.“ 

Abschlussworkshop zum Projekt “Stärkung von Kompetenz für Arbeit am Erinnerungsort Eisenspalterei”

Arbeitsförderung am Erinnerungsort Eisenspalterei –
Bilanz und Aussichten
Mittwoch 20. November 2013, 16.00 – 19.00 Uhr
Erinnerungsort Eisenspalterei, ehemaliges Außenlager des KZ Ravensbrück
Am Bahnhof Eisenspalterei, 16227 Eberswalde

Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt, eine Übersetzung ins Polnische wird angeboten.

Seit Ende 2010 erzählt die Ausstellung “Wiedersehen mit Eberswalde – Hier gibt es keinen Hass mehr” / “Po latach w Eberswalde – Tutaj nie ma już nienawiści” vom Schicksal dreier Polinnen, die als Jugendliche nach Eberswalde in ein Außenlager des KZ Ravensbrück und zur Zwangsarbeit in den Ardeltwerken verschleppt worden waren.

Mit “Stärkung von Kompetenz für Arbeit am Erinnerungsort Eisenspalterei” verwirklichten wir 2012 und 2013 erstmalig ein Projekt, das aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanziert wurde.

Dauerhafter Partner war die Stadt Eberswalde.

Stadtrundrundgang 13.00 Uhr, Treffpunkt im Innenhof des Paul-Wunderlich-Hauses, Am Markt 1, 16225 – Erinnerungsorte in Eberswalde

Station 1 “Wachsen mit Erinnerung” – Ort der ehemaligen Synagoge,

Station 2  Stolpersteine

Station 3 “Neuer Blumenplatz” – ein Gedicht von Czesław Miłosz manifestiert sich als städtischer Schmuckgarten 

Kurzreferate mit anschließender Diskussion

1. Block   Arbeitsförderung am Erinnerungsort Eisenspalterei

Kai Jahns / Projektleitung

Ist es gelungen, die Unterstützung von Erwerbslosen mit der Entwicklung des Erinnerungsortes zu verknüpfen? + Überblick über die Projekttätigkeit

Patrick Meinhardt / Projektmitarbeiter

Was fand an persönlicher Unterstützung statt? Was wurde konkret gemacht? Was konnte ich weitergeben?

Diskussion, Moderation Elisabeth Schönrock

2. Block   Punkrock, Antifaschismus, Erinnerungskultur und 30 km bis zur deutsch-polnischen Grenze

Lars Kroll / Vorsitzender des Jugend- und Kulturvereins EXIL e.V.

Mein persönlicher Zugang zum Erinnerungsort Eisenspalterei. + Bilder der letzten 15 Jahre und Erzählungen dazu. + Als Punks sind wir genau die Richtigen hier. Was läuft so? Bands und Standpunkte.

Ewa Czerwiakowski / Publizistin mit dem Schwerpunkt Geschichte und Kultur, Übersetzerin

Meine Begleitung der inhaltlichen Entwicklung am Erinnerungsort.

Was wir von den Überlebenden wissen.

Neue Dokumente zum KZ Außenlager Eberswalde / Berichte von Überlebenden aus Eberswalde im Archiv der Lund Universität Schweden

Meine Sicht auf die Dinge hier?

Robert Rys / Journalist, Chefredakteur, Verleger und Inhaber einer Lokalzeitung, Mitbegründer des Kultur- und Geschichtsvereins Terra Incognita in Chojna

Meine Beziehung zu den Deutschen. Was halte ich von alledem hier?

Diskussion, Moderation Elisabeth Schönrock

3. Block    Ausblicke

Lars Kroll / Ewa Czerwiakowski / Kai Jahns

Entwicklung der Ausstellung “Wiedersehen mit Eberswalde – Hier gibt es keinen Hass mehr”

Lars Kroll / Kai Jahns / Denny Schröder

Verknüpfung von Punkrock und Erinnerungsort

Robert Rys / Ewa Czerwiakowski / Kai Jahns / Dr. Stefan Neubacher

Verknüpfung von Erinnerung in Eberswalde und Chojna

Ein Punkrockfestival in Chojna 100 Jahre nach Beginn des 1. Weltkrieges und weitere deutsch-polnische Aktivitäten

Verabredungen, Moderation Elisabeth Schönrock

Eine Förderung erfolgt durch:

EU_Sozialfonds  Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft

Investition in Ihre Zukunft

Das Projekt “Stärkung von Kompetenz für Arbeit am Erinnerungsort Eisenspalterei (ehemaliges Außenlager des KZ Ravensbrück)” wird durch das  Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Brandenburg gefördert.

9. November 2013 in Eberswalde

Am 9. November 1938 zerstörten Eberswalder Bürger die Synagoge… Schon am Tag darauf verpflichtete die Stadtverwaltung die jüdische Gemeinde dazu den sofortigen Abriss der Ruine zu veranlassen und zu bezahlen. Eberswalder Polizisten deportierten in den Kriegsjahren die letzten Juden der Stadt…

Diese Sätze sind Teil des Textes, der um die Skulpur läuft, die den Raum der ehemaligen Synagoge von Eberswalde einschließt.

Wichtiger als großartiger Besuch ist an einem Tag wie dem 9. November wohl die Würdigung des Engagements der vielen Eberswalder/innen, die sich auch an anderen Tagen mit der Geschichte ihrer Stadt auseinandersetzen.

Zwei Beispiele.

Grundschüler/innen der Freien Montessorischule Barnim beschäftigten sich mit dem Schicksal Eberswalder Juden und haben bei einem Spendenlauf gesammelt. Es kam viel mehr zusammen als nötig für die Stolpersteine, die davon für Berta und Emma Steinhardt in diesem September gelegt wurden.

Das Gedenkbuch für die Eberswalder Juden kam auf Initiative von Ellen Grünwald zu stande. Einer Erzieherin, die morgen nicht mehr mit Joachim Gauck, wie vor einiger Zeit, wird reden können, der abgeschirmt vom BKA umgeben ist von geladenen Gästen, dafür hat sie aber der taz ein nettes Interview gegeben.

Mitstreiter/innen für Wohnprojekte gesucht

Der Artikel von Dietmar Rietz bringt es auf den Punkt. Das wurde am vergangenen Dienstag im EXIL zum Thema Wohnen im Alter und insgesamt zum Gemeinschaftswohnen besprochen und ist zu lesen in der MOZ vom 6.11.2013.

Hinzufügen möchte ich nur, dass es alternative Wohnprojekte in der Stadt schwer haben. Diese Erkenntnis war mir an dem Abend nicht neu. Die WHG Wohnungsbau- und Hausverwaltungs-GmbH orientiert sich an der klassischen Wohnform. Da mit Erfolg, die „Wohnterrassen am Finowkanal“ haben eine sehr lange Warteliste.

Gemeinschaftliches generationsübergreifendes Wohnen, geboren aus Eigeninitiative, wird es in Eberswalde so schnell nicht geben. Es fehlt an Objekten. Derzeit kaufen Investoren jedes Haus, weil ihr Geld auf der Bank nichts bringt. Da ist kommunalpolitisches Handeln gefragt. Die WHG etwa könnte sich Bürger/innengruppen gegenüber öffnen und gemeinsam Konzepte entwerfen und umsetzen. Außerdem könnten Häuser nicht nur saniert und dabei dort existierende Wohngemeinschaften auf die Straße gesetzt werden. Eine entwickelte Vielfalt an Wohnformen würde Eberswalde attraktiver machen.