Neues Bildungszentrum wird Amadeu Antonio Haus

Die Märkische Oderzeitung kurbelt gerade die Diskussion um ein Für und Wider der Benennung des neuen Bildungszentrums in Amadeu Antonio Haus an. Was als Scherbenhaufen bezeichent wird, ist keiner. Vielmehr zeichnet sich ab, dass wir zu einem würdigen Gedenken an Amadeu Antonio gelangen.

„Ausschlaggebend für das Amadeu Antonio Haus ist die starke öffentliche Wahrnehmbarkeit und Symbolkraft sowie die Möglichkeit und Notwendigkeit, das Haus im Sinne einer antirassistischen Bildung zu profilieren. Das Amadeu Antonio Haus wird ein weithin sichtbares Zeichen für Geschichtsbewusstsein und gegen Rassismus. Das Amadeu Antonio Haus wird die Erinnerung an den Menschen Amadeu
Antonio wach halten und sich als Ort entfalten, an dem Bildung, als Grundlage von
Aufklärung, Humanismus und gegen Rassismus zuhause sind. Das Amadeu Antonio Haus wird dazu beitragen, das Bild der Stadt (auch in der bundesweiten) Öffentlichkeit als ein Gemeinwesen stärken, dass sich seiner Geschichte stellt und erkennbare Konsequenzen daraus zieht.“

Für die Stadtverordnetenversammlung am nächsten Donnerstag liegt ein Konzept Erinnern an Amadeu Antonio zur Befürwortung vor, das die Frage „Wie erinnern?“ umfassend beantwortet und eine Vielzahl von Ideen zusammenfasst.

Neben dem kommenden Amadeu Antonio Haus sind das folgende:

  • Bei einer Neugestaltung der Gedenktafel soll „die altdeutsche Schriftart der Gedenktafel“ durch eine „zeitgemäßen Typografie“ ersetzt werden. Was wohl dazu führt, dass die alte Tafel Bestandteil einer Ausstellung im zukünftigen Amadeu-Antonio-Haus wird.
  • Unter Federführung der Verwaltung sollen Materialien für Projektarbeit in der Grundschule und der Sekundarstufe 1 erarbeitet werden. „Das Projekt hat als Lernziel Wissen über Amadeu Antonio als Person, die Tat und altersgerechtes Grundwissen über Vorurteile, Diskriminierung und die Würde des Menschen zu vermitteln.“
  • „Vorbehaltlich der Finanzierbarkeit soll auch die Idee einer bebilderten Geschichte (der Begriff Comic ist hier durch den inzwischen gebräuchlichen Begriff Graphic Novel ersetzt, da Comic umgangssprachlich mit lustigen Geschichten assoziiert wird) über Amadeu Antonio aufgegriffen werden. […] Es ist eine zeitgemäße und niedrigschwellige Form der Erinnerung und Geschichtsbearbeitung.“
  • „Der Amadeu Antonio Preis ist ein bundesweit ausgeschriebener Preis der sich an
    antirassistische Bildungsprojekte richtet. Der Preis ist mit 1000 € dotiert und kann […] erhöht werden. […] Der Preis und die Preisverleihung erhöhen die öffentliche Wahrnehmbarkeit der Initiativen und tragen zu einem Klima bei, in dem antirassistisches Engagement den öffentlichen Diskurs bestimmt.“
  • Fortbildungen für Kita- und Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter
    „Im Vordergrund steht in diesem Aktionsfeld nicht nur die Erinnerung an Amadeu Antonio sondern eine antirassistische Strategie überhaupt.“

Die Stadtverwaltung macht sich mit ihrer Beschlussvorlage BV/875/2012 die Ergebnisse zweier öffentlicher Workshops weitestgehend zu Eigen. „Dies betrifft insbesondere die Feststellung, das Erinnern an Amadeu Antonio nicht mit anderen Opfern von Gewalttaten zusammen behandeln zu wollen. Der Mord an Amadeu Antonio markiert einen wichtigen Punkt in der Geschichte Eberswaldes und ist in direktem Bezug zur Geschichte der Pogromstimmung in Ostdeutschland Anfang der 90er Jahre zu sehen. Das Schicksal von Amadeu Antonio markiert vor diesem Hintergrund einen Wendepunkt und muss entsprechend behandelt werden. Und zu Recht sehen wir, das Eberswalde als Gemeinwesen an der Bearbeitung dieses Teils seiner Geschichte gemessen
wird.“

Dokumentation des zweiteiligen Workshops „Ideensammlung zum Gedenken
an Amadeu Antonio“ am 17.09. und 24.09.2012, jeweils 17 bis 20.30 Uhr
Ort: Familiengarten / Eberswalde

2 Gedanken zu “Neues Bildungszentrum wird Amadeu Antonio Haus

  1. Der Bürgermeister sagt: Wir sind aufgestanden und haben uns der rechten Szene in den Weg gestellt..? Das ist nicht wahr. Die einzigen, die zu dieser Zeit den Nazis entgegengestellt haben, waren viele junge Menschen, die dafür Opfer brachten wie Falco Lüdke, der dafür in Eberswalde getötet wurde. Diese jungen Menschen, und wenige ältere, waren allein auf der Straße als gegen Nazis demonstriert und gekämpft wurde. Dafür wurden sie nicht gewürdigt und oft verunglimpft. Ihr Engagement hat den Ruf dieser Stadt wieder hergestellt und lebt bis heute in nachfolgenden Generationen weiter.
    Die bürgerliche Mitte hat sich an den ersten Demonstrationen nach dem Tod von Amadeu nicht beteiligt. Sie hat wenig nach dem Brand des Asylbewerberheims oder bei der Demonstration der freien Kameradschaften getan. Im Gegenteil sind die Flüchtlinge in unserem Landkreis immer noch in der Althüttendorfer Verbannung.
    Selbst die zwei Polizisten, die Zeugen des Mordes waren haben bis heute ihre Identität geheim gehalten und so eine angemessene gerichtliche Aufarbeiteung verhindert.
    Den Menschen, die jetzt Amadeu gedenken, gehört trotz allem mein ganzer Respekt.

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