Barnimer Kampagne Light me Amadeu und das Bürgerbildungszentrum Amadeu Antonio

Light me Amadeu

Im Sommer 2014 eröffnete das Bürgerbildungszentrum Amadeu Antonio.

Vorher wurde eine Rahmenkonzeption (Austauschseite) beschlossen, die die übergeordneten Ziele und inhaltlichen Handlungsfelder des Hauses umreißt. Die Rahmenkonzeption ist eine Selbstverpflichtung aller im Bürgerbildungszentrum ansässigen und verantwortlich zeichnenden Akteure.

Die Rahmenkonzeption trägt der Verpflichtung Rechnung, die sich aus der Namensgebung ableitet.

Keine Straßenumbenennung, dafür der Name für ein ganzes Haus

Seit dem 50. Geburtstag von Amadeu Antonio am 12.08.2012 sollte ein Stück der Eberswalder Straße in Eberswalde seinen Namen tragen. Sie wäre dann dort gewesen, wo sie unserer Meinung nach hingehört. Mit 28 Jahren wurde der Vertragsarbeiter aus Angola in dieser Straße Opfer brutaler rassistischer Gewalt.

Als Beitrag zur bleibenden Erinnerung und zur Überwindung von Rassismus starteten der Afrikanische Kulturverein Palanca e.V. und die Barnimer Kampagne Light me Amadeu im April 2011 die Initiative für die Amadeu-Antonio-Straße.

Die Straßenumbenennung betrachteten wir als ein wichtiges Signal der Stadt Eberswalde, als eine würdigende Geste auch für das Leid der Familie, aller Angehörigen und Freunde von Amadeu Antonio, als ein deutliches Bekenntnis gegen alltäglichen Rassismus und damit gegen Anknüpfungspunkte von Nazis und Rechtspopulisten.

Straßennamen und nun der Name des Bürgerbildungszentrums geben und ermöglichen Orientierung, weisen den Weg im direkten wie im übertragenen Sinn. Für die Kultur und die Stimmung in unseren Orten ist es nicht egal, ob die Opfer in Vergessenheit geraten oder sichtbar erinnert werden.
Die Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit hilft, ihre Ursachen und Auswirkungen zu reflektieren, um das Schweigen zu überwinden und ähnliche Verbrechen zu vermeiden.

Erinnerungstafel an der Eberswalder Straße

Der Abschnitt der Eberswalder Straße ab dem Ende der Heegermühler Straße bis zur Kreuzung Kopernikusring wäre als Amadeu-Antonio-Straße  geeignet. Hier am ehemaligen Hüttengasthaus und vor der ehemaligen Chemischen Fabrik ereignete sich die Tat, die Heime für die Vertragsarbeiter befanden sich ein Stück weiter in den Blöcken nah am Kopernikusring.

Hüttengasthaus

Hüttengasthaus

 
 
 
 
 
 
Am 49. Geburtstag von Amadeu Antonio nahmen wir eine kurze symbolische Straßenumbenennung vor. Der Vorsitzende des Afrikanischen Kulturvereins Palanca e.V. bestieg eine Leiter und brachte für 5 Minuten das Straßenschild Amadeu-Antonio-Straße an.

Gleiches geschah nochmals am 50. Geburtstag.

Symbolische Umbenennung in Amadeu Antonio Straße

Symbolische Umbenennung in Amadeu Antonio Straße

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer war Amadeu Antonio?

Amadeu Antonio wurde am 12. August 1962 in Quimbele, in der Provinz Uige nordöstlich von  Luanda in Angola geboren. Er war das älteste von insgesamt 12 Kindern der Helena Afonso.

Bevor er als Vertragsarbeiter in die DDR kam, hatte er in Brasilien, Portugal und der Sowjetunion Ausbildungen absolviert. Er hoffte auf ein Studium der Flugzeugtechnik, wurde aber in Eberswalde, wie die meisten seiner Landsleute, als Fleischer ausgebildet.
Nach Ablauf des Arbeitsvertrages verlängerte sich sein Aufenthalt, weil seine deutsche Freundin ein Kind erwartete.
Noch vor der Geburt des Kindes starb Amadeu Antonio am 6. Dezember 1990 nach zweiwöchigem Koma an den Folgen eines rassistischen Überfalls.

 

Geschichte der angolanischen Vertragsarbeiter in Eberswalde

Ein Teil der in Eberswalde lebenden AusländerInnen sind bereits zu DDR-Zeiten gekommen.

Die ersten Vertragsarbeiter kamen 1968 aus Ungarn nach Eberswalde. Sie waren vorwiegend im VEB Kranbau Eberswalde und im VEB Walzwerk Finow beschäftigt. 1974 folgten Algerier. Später kamen vietnamesische und mosambiquanische Vertragsarbeiter/innen.

Am 03.08.1987 trafen 104 Angolaner in Eberswalde ein. Sie arbeiteten im SVKE Britz (Schlacht- und Verarbeitungskombinat Eberswalde).

Im Jahr 1989 waren im Kreis Eberswalde 241 Vertragsarbeiter aus Mosambique und 85 aus Angola ansässig.

Beschäftigt waren sie hauptsächlich im VEB Kranbau Eberswalde, im VEB Walzwerk Finow, im RAW Eberswalde (Reichsbahnausbesserungswerk) und im SVKE Britz.
Grundlage der Beschäftigung der Vertragsarbeiter/innen waren seit 1968 Abkommen zwischen der DDR und den jeweiligen Herkunftsstaaten.

Mit der Wende waren die Vertragsarbeiter/innen die ersten, die entlassen wurden, und die Regierungsabkommen wurden annuliert. Somit war die aufenthaltsrechtliche Situation vollkommen ungeklärt.

Erst 1997 wurden die Vertragsarbeiter/innen den Gastarbeitern aus den alten Bundesländern gleichgestellt und konnten ein dauerhaftes Bleiberecht erlangen.

Der Afrikanische Kulturverein Palanca e.V. erstellte gemeinsam mit der Eberswalder Koordinierungsstelle für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit (mit dem damaligen Koordinator Dr. Mohamed Hamdali) im Jahr 2004 die Ausstellung “Geschichte der angolanischen Vertragsarbeiter in Eberswalde”.

 

Ausstellung “Geschichte der angolanischen Vertragsarbeiter”

Ausstellung "Geschichte der angolanischen Vertragsarbeiter"
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